Seelenheil von der Pinnwand

Chakren-Ausgleich, Bioenergetik oder Transzendenz - glaubt man den vollmundigen Versprechen der vielen Zettelchen und Flyer, so sind die „Schwarzen Bretter“ in Naturkostläden, Kulturzentren und Hochschulen keine Informations-Börsen, sondern Portale zu einer wunderlichen Paralleldimension.

Wer sich bei körperlichen und geistigen Problemen nicht auf Ärzte und Psychologen verlassen mag, hat die Qual der Wahl. Es gilt das Passende aus einer Unzahl „ganzheitlicher“ Heilsangebote zu wählen. Hat man beispielsweise Fragen zur eigenen Gegenwart oder Vergangenheit, können sie durch ein „Psychic-“ oder „Chackrenreading“ beantwortet werden. Eine „sehr wertvolle spirituelle Technik“ wie ihr Anbieter versichert. Ebenfalls „wertvoll“: Die Heilung mit dem „transzendenten Bewußtsein“. Der Vorteil dieser Anwendung ist angeblich, dass sie „nahezu ohne Berührung“ ausgeführt werden kann - ohne Berührung für den Körper, nicht aber das Potemonaie des „Geheilten“.

Groß im kommen scheinen zurzeit auch heilsbringende Angebote rund um Bewegung und Musik. So gibt es beispielsweise die „Tänze des universellen Friedens“, Gruppensingen spiritueller Lieder oder sogar „Magie im Tanz“ mit hochwirksamer „Herzensmeditation“. Ohne Meditation kommt hingegen die „biodynamische“ Massage aus, die schließlich eine „Aurareinigung“ zur Folge haben soll. Wichtigster Nebeneffekt: „geistiges Ausgleichen der Wirbelsäule.“ Beim nächsten Bandscheibenvorfall also einfach auf Biodynamik setzen und sich auf die „fünf tibeter Elemente der Bioenergetik“ verlassen? Ein echtes Highlight ist schließlich das entspannte Sehen mit der Rasterbrille. „Eine intelligente Alternative“, die sich angeblich schon die Eskimos aus Tierknochen geschnitzt haben sollen.

Die Vielfalt an obskuren Heilsversprechen reicht offenssichtlich bis zum Horizont und weit darüber hinaus. Eines ist jedoch allen Angeboten gemein: Nichts in der esoterischen Wunderdimension ist kostenlos. Und wer Hilfe braucht - wirkliche Hilfe, bei wirklichen Problemen – sollte sich ernsthaft fragen, ob sie von einer nicht existierenden „Gegenbildlöschung“ des „körpereigenen Energiefeldes“ durch ein windiges „Bioresonanzgerät“ zu erwarten ist.

 

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