Die klimpernde Gottheit

Eigentlich ist Geld nichts als Baumwolle und Metallscheiben. Würde niemand an seinen Wert glauben, taugte es lediglich als Zigarrenanzünder. Die Münzen könnte man bestenfalls noch durchbohren und als Unterlegscheiben benutzen. Eigentlich.

Uneigentlich ist es der Mennschheit mit dem Geld gelungen, etwas in die Welt zu setzen, das keinen realen Wert hat und unser Leben dennoch bis in die kleinsten Entscheidungen bestimmt. Geld zieht alle unsere Strippen gleichzeitig. Es ist die effektivste Fernsteuerung, der ultimative Kontrolleur. Das wird deutlich, wenn man sich vorstellt, was alles möglich wäre, stünde einem unendlich viel Geld zu Gebote. Man könnte sich Schlösser kaufen, auf eine Luxusyacht umziehen, eine Armee von Dienern um sich schaaren und die Welt bereisen. Ja, man könnte sogar privat zum Mond fliegen. Wenn man allerdings kein Geld hat, geht nichts davon. Weniger noch. Ohne Geld kann man irgendwann nur noch unter einer Brücke wohnen, muss entweder in den Wallanlagen die Jagd auf Karnickel und Enten eröffnen oder Mülleimer plündern. Mit Geld ist fast alles super und ohne Geld ist fast alles Scheiße.

Das Schlimme daran ist, dass man nur Wenig bis Nichts daran ändern kann. Das Wissen über die Macht des Geldes ist nicht befreiend. Es befähigt einen nicht dazu, sich Alternativen auszudenken. Zumindest keine, die wirklich funktionieren. Das Gegenteil ist der Fall. Wir halten uns alle für einzigartig, für eigene Persönlichkeiten, für Individuen im schönsten Sinn. Am Ende macht uns das Geld jedoch alle gleich. Wir alle sind Junkies, die nicht anders können, als auf die nächste Überweisung zu hoffen. Ohne diese wiederkehrenden Infusionen, setzen die Entzugserscheinugnen unverzüglich ein. Aus dem Restaurantbesuch wird Dosenfraß, wird das letzte angegammelte Glaß Oliven aus der hintersten Ecke des Kühlschrankes, wird der Griff in den Mülleimer in der Fußgängerzone.

Geld ist deshalb durchaus mit Gott vergleichbar. Auch er ist eine Erfindung der Menschen und erst der Glaube an ihn verleiht im Macht. Der große Unterschied ist jedoch, dass Geld weitaus mächtiger ist . Wenn man den glauben an den Allmächtigen an den Nagel hängt, passiert einem gar nichts. Einem bleibt nur mehr Freizeit, weil man nicht permanent in die Kirche laufen muss. Gibt man jedoch den Glauben an das Geld auf, erfriert oder verhungert man.

back