Macht macht Mortadella

Wenn ein Mensch bei einem Autounfall ein Bein verliert, beginnt ein aufwändiger Prozess. Krankenhausaufenthalt gefolgt von Rehabilitation und schrittweiser Berufseingliederung und und und. Das kostet nicht nur sehr viel Zeit und Mühen, sondern auch sehr viel Geld für Operationen, Prothese und Krankengymnastik. Bei fast allen anderen Lebewesen - Haustiere bilden in den meisten Fällen eine Ausnahme - ist das nicht so. Beispielsweise heißt das Bein bei einem Schwein „Eisbein“. Wenn man es kauft, ist es höchstens ein paar Euro wert. Der Rest des Schweines wird ebenfalls verramscht oder landet direkt auf dem Müll. Ein abwegiger Vergleich? Nur der Sicht des Stärkeren.

Macht ist kein abstrakter Begriff, der sich nur auf zwischenmenschliche Beziehungen anwenden lässt. Nicht nur auf Könige und Bauern, Priester und Gläubige oder Arbeitgeber und Angestellte. Was Macht macht, zeigt sich tagtäglich auch in Schlachthöfen, auf Tiertransporten, im Zirkus, bei der Jagd, im Zoo und in Tierversuchslabors. Bei all den Qualen, der Folter und den Tötungen geht es um billige Milch, um billige Eier, um billiges Fleisch, um billiges Leder, Kosmetika, Medizin und schlicht um Unterhaltung. Grundsätzlich geht es aber um die Macht des Stärkeren. Der Mensch behandelt andere Lebewesen aus einenem einfachen Grund so respektlos: weil er es kann. Die Formen dieser Respektlosigkeit sind sehr unterschiedlich. Sie erstrecken sich vom sadistischen Quälen über Gleichgültigkeit bis hin zu pragmatischem Inkaufnehmen und schließlich bedauerndem Ausbleden. Macht ist, sagen zu können: „Es bereitet mir Freude Löwen durch brennende Reifen zu scheuchen”, „Ich finde es gut, einen Hirsch zu erschießen”, „Die Schweine wurden doch extra dafür gezüchtet, dass wir sie essen”, „Wenn unsere Eier, unser Fleisch, unsere Milch und unser Leder so günstig sein sollen, können wir sie nicht tierfreundlicher produzieren” und „Wenn ich das Tier selbst töten und ausweiden müsste, könnte ich auch keine Wurst mehr essen. Zum Glück liegt die ja bereits im Kühlregal”.

Der Mensch ist nichts besonderes. Es gibt keine Qualität, die uns moralisch über alle anderen Lebewesen stellt. Wir tun diese Dinge nicht aus einer höheren ethischen Berechtigung heraus. Kein göttliches Wesen hat sich eine Sonderrolle für uns ausgedacht. Die einzige Berechtigung die wir haben, ist immer und immer wieder das Recht des Stärkeren. Nach oben buckeln, nach unten treten.

Doch es rächt sich. Die Art, wie wir Macht über die so genannten Nutztiere ausüben, wirkt sich negativ auf unsere Lebensqualität und Gesundheit aus. Monokulturen für Tierfutter, erhöhter Methanausstoß durch abermillionen Rinder und Schweine, , gerodeter Regenwald für Weideflächen, Hormone und Medikamente im Trinkwasser - die Liste ist Legion. Guten Appetit.

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